=> Editorial

Was mit Elvis’ Hüftschwung in den 1950er Jahren begann, wuchs mit der Beatlemania der 60er Jahre zum Massenphänomen der Rock- und Popkultur: auch im Kino. Die Fab Four rund um Lennon und McCartney aus Liverpool erfanden quasi nebenbei auch noch den Musikclip, und seit der gleichnamigen Dokumentation über das Hippiefestival Woodstock muss man nicht mehr bei einem Konzert anwesend sein, um seine Intensität spüren zu können. Popstars wie Mick Jagger, David Bowie und Madonna schufen sich ganz eigene Images im Film. Aber auch Atmosphären und Milieus der Popkultur prägen die Bildwelt des Kinos. Subkulturen wie Disco, Punk, Gothic, Hiphop und Techno geben Lebensmodelle vor, die von Drehbuchautoren und Regisseuren sehr häufig dankbar aufgenommen werden.

 

Neben der Schallplatte und dem Radio wurde der Film eines der Schlüsselmedien der Rock- und Popmusik und steht so in engem Zusammenhang mit der seitdem so wichtigen Eingrenzung der populären Kultur auf den Bereich der Pop-Kultur, die sich vom zunächst musikzentrierten Begriff der Popmusik und deren Auswirkungen her definiert. Filme wurden daher ebenso zur Ausdrucksform von Pop- und Rockmusik (etwa in den Elvis-Filmen der 1950er Jahre) wie seit dem New Hollywood-Kino (z.B. Easy Rider, 1969, von Dennis Hopper) Pop- und Rockmusik zum festen Bestandteil vieler Soundtracks geworden ist.

 

Das Medium Film hat somit Anteil an einer Form von kultureller und sozialer Verbindung und Kommunikation, die für die Popkultur als gesellschaftliche Praxis konstitutiv ist. Eine Analyse von Pop- und Rockkultur kommt daher nicht ohne die Berücksichtigung des Mediums Film aus, was genauso auch umgekehrt gilt. Unter Pop verstehen wir nicht nur eine spezifische Form ästhetischer Praxis, sondern vor allem einen weit gefassten musikzentrierten Traditionsbegriff, der sich genetisch vom Rock’n’Roll herleiten lässt. Hiervon ausgehend kann Pop als offenes Feld bzw. als spezifische kulturelle Formation beschrieben werden, in der es u. a. um Musik, Mode, Sexualität, Jugend, Filme, Medien, Ideologien, alltägliche Kämpfe um Deutungsmacht, politische Partizipation, den Ausdruck spezifischer Ausdrucksinteressen und vor allem auch um die Hervorbringung von symbolisch fundierten Szenen, Subkulturen, Stilistiken und Lebensformen ging oder geht.

 

Rock and Pop in the Movies ist das erste internationale Periodikum, das sich der essayistischen Analyse von Rock- und Popmusik im Film widmet: von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart, fokussiert auf alle Spielarten der Rock- und Popmusik, interkulturell ausgerichtet und mit Blick auf nicht-fiktionale und fiktionale Filme. Ein Schwerpunkt wird auf der Vielfalt dokumentarischer Repräsentationen musikalischer Performances und Akteure liegen – im gesamten Feld der unterschiedlichen Arten und Stile dessen, was man oft als Rock und Pop in eine Zusammenschau zwingt. Es wird um die Kartographierung der Formen gehen, in denen sich das so vielgestaltige Phänomen des Pop in filmischen Formen artikuliert; auch die Arbeit an einer ästhetischen Theorie des Rock-Pop-Komplexes wird Bestandteil dieses Journals sein; und es wird auch um eine Kritik unseres Gegenstandes gehen, der so selbstverständlich auch Teil des ökonomischen und politischen Systems ist.

 

Rock and Pop in the Movies erscheint zweimal jährlich, immer im März und September.

 

Die Redaktion

Christian Huck,Marcus S. Kleiner, Ingo Lehmann, Patrick Niemeier, Thorsten Ragotzky,

Marcus Stiglegger, Willem Strank, Thomas Wilke, Hans-Jürgen Wulff